Parkinson: Pessimisten erkranken häufiger

Auf der Suche nach den Ursachen der Parkinson-Krankheit haben Wissenschaftler der Mayo-Klinik im amerikanischen Rochester eine überraschende Entdeckung gemacht: Pessimisten und andauernd ängstliche Menschen tragen ein um 40 Prozent höheres Risiko, an dem Leiden zu erkranken, als der Bevölkerungsdurchschnitt.

Wie das Forscherteam um den Nervenarzt James Bower jetzt auf der Jahrestagung der US-Neurologen in Miami berichtete, fand man diesen Zusammenhang beim Rückblick auf Persönlichkeitsdaten, die Anfang der 60er Jahre an fast 5000 gesunden Einwohnern des US-Bundesstaates Minnesota gewonnen worden waren. Insgesamt 128 unter ihnen waren in den Jahrzehnten nach der Erhebung an Parkinson erkrankt – wobei die „Schüttellähmung“ stark gehäuft bei jenen Personen auftrat, die man damals anhand einer psychologischen Bewertungsskala als besonders ängstlich oder pessimistisch eingestuft hatte.

„Wir haben einen klaren und deutlichen Zusammenhang gefunden zwischen einer ängstlichen oder pessimistischen Persönlichkeit und dem zukünftigen Auftreten der Parkinson-Krankheit“, sagte Bower. „Eine Erklärung für diesen Zusammenhang haben wir aber nicht gefunden“. Eine Möglichkeit sei es, daß Angst und Pessimismus über einen noch nicht bekannten Mechanismus das Entstehen des Leidens fördern. Ebenso wäre es möglich, daß bestimmte, noch nicht identifizierte Erbanlagen oder nicht-erbliche Risikofaktoren gleichermaßen eine ängstliche Persönlichkeit fördern, wie auch das Krankheitsrisiko erhöhen.

Von der Parkinson-Krankheit ist etwa jeder 100ste über 65 Jahren betroffen. Bei diesen Personen sind meist über viele Jahre hinweg sehr kleine, spezialisierte Ansammlungen von Nervenzellen an der Basis des Großhirns abgestorben. Diese sogenannten Basalganglien produzieren den Botenstoff Dopamin, den das Gehirn zum Auslösen und Koordinieren von Bewegungen braucht. Anfänglich können Ärzte den Dopaminmangel noch mit einer Reihe von Medikamenten bekämpfen, doch läßt deren Wirkung nach einigen Jahren nach. Dann zittern die Patienten immer häufiger oder sie werden steif und erstarren. In 80 bis 90 Prozent aller Fälle können die Ärzte keinen Auslöser für die Erkrankung benennen. Beim überwiegenden Rest scheint das Krankheitsbild Folge der Rückbildung verschiedener Hirnstrukturen, etwa nach Schädelverletzungen, Schlaganfall, durch Drogen oder Giftstoffe. Auch manche Medikamente können als Nebenwirkung Parkinson-ähnliche Symptome hervorrufen. Nur in sehr wenigen Familien tritt das Leiden gehäuft auf, woraus Forscher auf die Beteiligung einer ganzen Reihe von Erbanlagen schließen.

Mit der jetzt in Miami vorgestellten Untersuchung erweitert sich nun womöglich das Spektrum der bekannten Risikofaktoren für die Parkinson-Erkrankung um bestimmte Persönlichkeitsmerkmale. Allerdings betonte Studienleiter Bower auch, daß das Parkinson-Risiko selbst bei krankhaft ängstlichen Personen noch verhältnismäßig gering sei. „Unter 1000 angstgestörten Menschen im Alter von 40 Jahren werden etwa 27 an Parkinson erkranken – gegenüber etwa 17 von 1000 Menschen in der Gesamtbevölkerung.“ Noch völlig offen ist, ob eine Behandlung ängstlicher und pessimistischer Menschen – etwa mit Medikamenten aus der Klasse der Anti-Depressiva – das Risiko für die Parkinsonkrankheit vermindern kann. Diese wichtige Frage wolle man als nächstes untersuchen, so Bower.

Quellen:

  • Pressemitteilung der Majo Clinic, American Academy of Neurology

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